Schmerzen im Rücken. An unterschiedlichsten Stellen. In unterschiedlicher Stärke. Jeder kennt wohl das Gefühl, wenn es im Rücken zwickt und zwackt. Doch müssen Schmerzen wirklich immer einen direkten Grund haben, wie zum Beispiel einen Unfall? Oder gibt es vielleicht Gründe, wie wir im ersten Moment vielleicht gar nicht auf dem Schirm haben?

Aus dem Gesundheitsreport 2020 der Techniker Krankenkasse ist bereits klar zu entnehmen, dass sich Rückenschmerzen neben Infektionen der Atemwege und psychischen Krankheiten in den Top 3 der Gründe für Arbeitsunfähigkeitstage befinden.

Was bedeutet Schmerz?

Schmerz ist erst einmal nichts Negatives. Schmerz ist ein Warnsignal des Körpers, der uns sagen möchte, dass etwas nicht stimmt. Dies muss nicht zwingend durch einen Unfall oder eine Sportverletzung hervorgerufen worden sein, denn Schmerz entsteht in allererster Linie im Kopf. Unsere Nervenbahnen leiten die Schmerzinfo an das Gehirn weiter und der Körper schüttet gegebenenfalls schon einmal körpereigene Schmerzmittel aus.
Wir begeben uns also auf die Suche nach einem Schuldigen für unseren Rückenschmerz und klappern Ärzte und Therapeuten ab, lassen uns massieren und an uns herumdrücken und wenn es nicht besser wird, ist ein MRT Bild das Mittel der Wahl. Durch MRT Bilder machen wir uns komplett verrückt. Wird etwas gefunden? Machen wir uns verrückt. Wird nichts gefunden? Wir machen uns verrückt. Nun bilden wir uns Schmerzen ja nicht ein. Irgendwo gibt es ja den Grund dafür, dass wir Schmerz verspüren. Genau hier fängt es an. Wir suchen irgendwo einen Anker, an den wir uns festhaken können, der uns einen Grund für unsere Schmerzen gibt. In den seltensten Fällen hinterfragen wir uns selbst und unseren Lebensstil. Ich habe die Überschrift bewusst gewählt, denn oft bekommen wir Rückenschmerzen weil wir eben genau das tun: Nichts.

Wenn Schmerzen über einen längeren Zeitraum bestehen bleiben, kann es zu einer Strukturveränderung der Nervenzellen kommen, so dass bereits kleinste Auslöser maximalen Schmerz hervorrufen können. Dort wo das Gehirn Emotionen verarbeite, dort wird auch Schmerz wahrgenommen. Daher geht man mittlerweile davon aus, dass es eine Verbindung zwischen psychischem Leiden und der Schmerzwahrnehmung im Körper gibt. Wir können also Schmerzen durch unsere Gefühle und Emotionen auslösen.
Wenn man also über Jahre hinweg Schmerzen ignoriert oder wegdrückt, den Lebensstil nicht verändert, sich in einem Job oder einer Beziehung befindet, die einem wissentlich nicht gut tut, dauerhaft finanzielle Sorgen hat, sich selber passiv verhält oder Stresssymptome zwar wahrnimmt, aber die „Ich muss jetzt durchpushen“-Haltung bewahrt, der geht das Risiko einer Chronifizierung der Problematiken ein.

Was kann man jetzt tun?

Wenn man unter Rückenschmerz leidet und die Motivation hat, sich dem zu stellen, der kann an vielen Bereichen im eigenen Leben arbeiten. Dabei kann eine individuelle Physiotherapie helfen, in der man aktiv mitarbeitet, und/oder das überprüfen des eigenen Lebensstils.

Bewegung

Training und/oder körperliche Aktivität schütten Glückshormone aus. Bewegung kann also bei der Produktion von „Feel-Good“-Hormonen helfen. Gleichzeitig kann es dabei unterstützen Stress zu reduzieren und positive Effekte im Körper auszulösen, wie die Stärkung des Herz-Kreislauf-Systems, des Immunsystems und der Verdauungsorgane. Bewegung kann helfen, aus dem „Hamsterrad“ im Kopf auszusteigen und in den Körper zu gehen, was deine Stimmung anhebt und Symptome von Depressionen oder Angststörungen lindern kann.

Sonne/Tageslicht

In dem wir an der frischen Luft sind und unseren Körper mit (Sonnen-)Licht fluten, geben wir ihm nicht nur die Möglichkeit lebenswichtige Mineralstoffe aufzunehmen, sondern schenken uns auch eine Auszeit, um einmal durchzuatmen. Wie klingt das, wenn man sich direkt morgen vornimmt, mindestens 30min im Tageslicht unterwegs zu sein?

Ernährung

Einer unserer größten Stressoren ist das Thema Nahrungsaufnahme. Wir zählen Kalorien, laden uns x Rezepte herunter, probieren zig Diäten, springen von einer Ernährungsform zur anderen und vergessen dabei was komplett essentielles: Einfach mal zu essen. Es wird nicht DIE eine Ernährungsform für jeden Menschen geben und es wird auch nicht DAS Lebensmittel geben. An dieser Stelle sollten wir uns die Frage stellen, was uns gut tut, was uns schmeckt, was wir vielleicht ethisch hinterfragen und was unser eigener Weg ist. Dabei kann ein Ernährungscoach hilfreich sein. Ein Coach wird uns aber nicht abnehmen zu essen. Fangen wir also an einfach mal zu essen, ohne darüber nachzudenken, wie viele Kalorien das jetzt gerade sind.

Soziale Kontakte/Job

Entscheidend darüber, wie wir uns fühlen sind immer unsere Bewertungen und die Personen mit denen wir uns umgeben. Es ist also von entscheidender Bedeutung auch mal los zu lassen, wenn wir merken, dass wir uns in bestimmten Situationen oder mit bestimmten Personen nicht wohlfühlen. Im beruflichen Kontext kann das ein offenes Gespräch mit dem/der Vorgesetzten, um Dinge zum positiven zu verändern.

Schlaf

Wenn wir schlafen regeneriert und verarbeitet unser Körper das Erlebte. Wir benötigen also ausreichend Schlaf um zu funktionieren und um unseren Körper auf bestehende Stressoren vorzubereiten.

Mit diesem Artikel möchte ich mitteilen, dass wir uns viel zu oft in irgendwelchen Stigmen befinden, die uns vorgaukeln, Schmerz müsste immer irgendwelche speziellen Gründe wie einen Bandscheibenvorfall, Verspannungen vom langen Sitzen oder Ähnliches haben. Oft liegt der Grund und damit auch die Lösung in uns selbst. Unser Körper ist ein Wunderwerk und er hat die Kraft sich selbst zu heilen, wenn man ihm die notwendigen Mittel gibt. Dabei schreibe ich gar nicht über eine aufgezwungene Selbstoptimierung, sondern eher darüber, dass wir mal wieder mehr aus dem Kopf raus und auf unsere Körper hören dürfen. Wir dürfen wahrnehmen, wenn es uns nicht gut geht und genau dadurch Verspannungen entstehen. Genau so dürfen wir zu allererst mal auf uns schauen und an uns arbeiten, bevor wir uns wieder auf die Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen machen. Oft sind kleinste Anpassungen im eigenen Lebensstil schon die größte Lösung.

„Ich habe Rückenschmerzen, obwohl ich nichts gemacht habe!“

„Eben.“

Also, auf in die Sonne, bewegen, essen, entspannen, schlafen, loslassen.