Unternehmenskultur vs Betriebliche Gesundheitsförderung

 

Unternehmens- bzw. Organisationskultur beschreibt ein System gemeinsam geteilter Muster des Denkens, Fühlens und Handelns, sowie der vermittelten Normen, Werte und Symbole innerhalb eines Unternehmens oder einer Organisation. Diese Grundgesamtheit prägt Entscheidungen, Handlungen und Verhalten aller Mitarbeiter eines Unternehmens bzw. Mitglieder einer Organisation.

Eines der größten Probleme in der betrieblichen Gesundheitsförderung ist das Thema Kommunikation. Sowohl extern, als auch intern. Oftmals besucht nur ein Bruchteil der Belegschaft angebotene Maßnahmen oder Seminare zu gesundheitsbezogenen Themen und man hört nicht selten, dass diese Personen dann auch noch zu der Gruppe gehören, die bereits im Alltag ein gesteigertes Interesse an ihrer Gesundheit haben. Aber heißt das automatisch, dass der Rest schlichtweg keinen Bock hat?

Schauen wir uns das Thema Unternehmenskultur mal etwas genauer an. Wenn wir das Wort auseinanderklamüsern, ergeben sich zwei Wörter: Unternehmen und Kultur. Google unterscheidet dabei unter menschliche und abendländische Kultur.

„Gesamtheit der geistigen, künstlerischen, gestaltenden Leistungen einer Gemeinschaft als Ausdruck menschlicher Höherentwicklung“

„Gesamtheit der von einer bestimmten Gemeinschaft auf einem bestimmten Gebiet während einer bestimmten Epoche geschaffenen, charakteristischen geistigen, künstlerischen, gestaltenden Leistungen“

Brechen wir den Begriff Kultur auf ein Unternehmen herunter, sprechen wir von den Fragen „Wofür steht das Unternehmen?“ und „Was ist dem Unternehmen wichtig?“. Diese Fragen werden meist in der Entwicklung eines Unternehmens beantwortet, in dem man erlebt welche Handlungen etwas positives nach sich ziehen und welche eher negative Konsequenzen haben. Das ist eigentlich wie bei jedem von uns. Wir lernen aus Erfahrungen. Genau das geschieht auch im Unternehmen. Dieser Prozess läuft entweder im Hintergrund ab oder wird in teils heftigen Diskussionen und Bewertungen ausgelebt. Aus diesen Prozessen heraus, trifft ein Unternehmen dann auch Entscheidungen, aus denen dann Überzeugungen und Gewohnheiten werden und das Verhalten der Angestellten prägen. Diese Überzeugungen schafft sich ein Unternehmen nicht zufällig, sondern sind ein Produkt aus Annahmen, Einstellungen, Überzeugungen, Menschenbilder etc.

Beispiel:

„Mit Kunde XY machen wir keine Geschäfte mehr, weil der unsere Arbeit nicht wertschätzt“

Verhaltensweisen bestimmen also, welche Gefühle in ein Unternehmen hineinwirken. Das hat dann Auswirkungen darauf, wie sich ein Mitarbeiter fühlt und wie das Unternehmen von außen, also vom Kunden, wahrgenommen wird.

Stell dir vor du fängst irgendwo eine neue Stelle an und durchläufst den Onboarding-Prozess. An einer bestimmten Stelle hinterfragst du etwas, weil du das eventuell schon einmal anders erlebt hast. „Wir machen das hier schon immer so“ kann eine Antwort darauf sein und beschreibt ein eingeübtes Verhalten des langjährigen Mitarbeiters, weil es als „normal“ empfunden wird. Wenn du innerhalb deines Unternehmens fragen würdest, was als „Unternehmenskultur“ empfunden wird, wirst du sehr häufig die Antwort bekommen „wie man hier zusammenarbeitet“.

Unternehmenskultur wird sowohl von extern als auch von intern wahrgenommen. Extern zum Beispiel erkennt man das häufig an Begrüßungen und der Behandlung in Restaurants. Intern merkt man es häufig daran wie zum Beispiel zwei Teams zusammenarbeiten, also ob man sich gegenseitig stützt oder ausbremst.

Wie wird aus eingeübtem Verhalten nun eine Unternehmenskultur? Dieser Werdegang kann historisch erfolgen. Dabei lernt ein Unternehmen aus der Vergangenheit, welches auch das zukünftige Handeln beeinflusst. Er kann auch interaktiv oder kollektiv erfolgen. Beim interaktiven entsteht eine Unternehmenskultur aus dem Ergebnis verbaler und nonverbaler Kommunikation zwischen den Mitarbeitern. Beim kollektiv müssen alle Mitarbeiter nach den gleichen Spielregeln spielen. Eine Unternehmenskultur wird emotional geformt, in dem ein bestimmtes Verhalten (positiv oder negativ) aus den gesellschaftlichen Werten und Normen geformt wird. Bei der impliziten Unternehmenskultur müssen die Gewohnheiten eines Unternehmens von allen Mitarbeitern so verinnerlicht werden, dass sie im Arbeitsprozess normal werden.

Als Fazit zum Thema Unternehmenskultur lässt sich sagen, dass dieser Prozess nicht immer bewusst stattfindet, sondern sich auch sehr viel auf der unbewussten Ebene abspielt. So können sich Arbeitsabläufe oder destruktive Verhaltensweisen über Jahre eingeschlichen haben, die überhaupt nicht mehr in die aktuelle Zeit passen. Stellt man dies fest, wird es Zeit für einen kulturellen Umschwung.

So. Genug dazu. Bekommen wir hier mal wieder den Link zur Gesundheitsförderung rein.

Wie denkt dein Unternehmen?

Der Mensch ist Mittel. Punkt.

oder

Der Mensch ist Mittelpunkt!

Ein Unternehmen ist ein komplexes, soziales Konstrukt, da es durch die Menschen geformt wird. Die Realität eines Unternehmens wird durch die Verhaltensweisen, Denkweisen und Werte geprägt und diese haben sich über die Zeit geändert. Der Mensch ist nicht mehr nur die Maschine, die bezahlt wird. In der heutigen Welt strebt ein Großteil der Belegschaft nach Sinnhaftigkeit und Motivation. Sie möchten sich mit ihrem Unternehmen identifizieren und die Werte auch außerhalb der Arbeitszeit weiterleben. Sie möchten an ihrer Arbeit wachsen und sich weiterentwickeln. Die neue Generation der Mitarbeiter lässt sich eher von Werten und einem langfristigen Wohlfühl- und Gemeinschaftsgefühl überzeugen, als von einem Tausi mehr im Jahr. Die neue Generation möchte sich nicht die Frage stellen: „Warum mache ich das alles eigentlich?“.

In der betrieblichen Gesundheitsförderung gilt es also nicht nur darum, stumpf eine bewegte Pause einzuwerfen, sondern sich das gesamte Konstrukt anzuschauen. Wie ist die Stimmung im Unternehmen? Kommen Mitarbeiter krank zur Arbeit oder arbeiten mit Fieber aus dem Bett, weil ein dauerhafter Druck herrscht? Stärken Führungskräfte ihren Teams den Rücken? Wird eine gewisse „Lob“-Kultur gelebt? Gibt es Möglichkeiten, dass Mitarbeiter in wichtige Entscheidungen eingebunden werden?

Um eine Gesundheitskultur zu etablieren, benötigt es häufig einen Umschwung innerhalb des Unternehmens.

Warum sollte man an einer Maßnahme aus der betrieblichen Gesundheitsförderung teilnehmen, wenn schon grundsätzlich im Unternehmen eine unterirdische Stimmung herrscht? Warum sollte jemand teilnehmen, wenn Maßnahmen von Seite der Führungskräfte totgeschwiegen werden? Warum sollten irgendwelche Maßnahmen fruchten, wenn das Verständnis im Unternehmen dafür gar nicht gegeben ist.

Meiner Meinung nach befinden wir uns „dank“ der Pandemie an einem Scheideweg im betrieblichen Gesundheitsmanagement. Lasst uns aufhören, ohne Sinn und Verstand per Gießkanne irgendwelche Gesundheitstage einzustreuen, nur um mal irgendwas mit Gesundheit“ gemacht zu haben.

Lasst uns lieber die Frage stellen, wie wir die Unternehmenskultur bereichern, die interne Kommunikation verbessern und die wirklichen und ehrlichen Bedürfnisse des Unternehmens und der Belegschaft herausfinden können.

Dabei unterstütze ich gerne. Mit Bedarfsanalysen, Kommunikationskonzepten und Maßnahmen aus der betrieblichen Gesundheitsförderung.