Eine Auswertung der Techniker Krankenkasse zum Gesundheitsreport 2020 zeigt, dass jede Zwölfte Krankschreibung aufgrund von Rückenschmerzen ausgestellt wird. Dies entspricht, laut der Auswertung, 8,4% aller Krankschreibungstage. Rund 6,3 Millionen Fehltage gehen damit auf das Konto von Rückenschmerzen, alleine bei Versicherten der TK.

Eines vorweg: Beim erstmaligen Auftreten von Rückenschmerzen solltest du auf jeden Fall medizinischen Rat einholen, auch wenn wir uns wahrscheinlich noch mehr Stress mit der Situation an sich und irgendwelchen Röntgenbildern machen. Mindestens genauso wichtig ist es, den Umgang mit Schmerzen zu überprüfen, wenngleich die Hinweise in diesem Text auch nicht für alle Leser DIE Lösungen sind. Denn wie wir wissen, ist jeder Mensch individuell zu betrachten.

Der Rücken

Die Wirbelsäule ist das zentrale Element im Skelettsystem des menschlichen Körpers. Ohne Wirbelsäule könnten wir nicht aufrecht gehen oder uns in unterschiedliche Richtungen bewegen. Die Wirbelsäule stellt sich als eine doppelte S-Form dar um uns zu schützen. Das kann man sich wie eine Springfeder vorstellen. Die Wirbelsäule besteht aus 7 Halswirbeln, 12 Brustwirbeln und 5 Lendenwirbeln. In meiner Ausbildung konnte ich mir das übrigens ganz gut mit dieser Eselsbrücke merken: Um 7 Uhr gibt’s Frühstück, um 12 Uhr Mittagessen und um 5 Uhr Abendbrot. Zusätzlich zu den für uns gängigen Wirbelkörpern gibt es noch Kreuzbeinwirbel, die verschmolzen sind, und das Steißbein. Der Unterschied zu den ersten 24 Wirbeln ist, dass Kreuz- und Steißbein nicht beweglich sind. Die einzelnen Wirbelkörper sind mit Bandscheiben verbunden. Bandscheiben bestehen zu ca. 80% aus Wasser und durch ihre Flexibilität gelingen uns Bewegungen aus der Wirbelsäule. Außerdem sind sie eine Art Kissen oder Puffer für Belastungen. Apropos Belastungen. Über den Tag hinweg verlieren die Bandscheiben Wasser. Daher sind wir abends meist kleiner als morgens, weil sie sich über Nacht wieder wie ein Schwamm mit Wasser und Nährstoffen aufsaugen. Verschleiß oder dauerhaft „falsche“ Bewegungen können langfristig zu einem Bandscheibenvorfall führen.

Der Bandscheibenvorfall dürfte den meisten Lesern zumindest in der Theorie bekannt sein. Unsere Bandscheiben bestehen aus einem äußeren Faserring und einem inneren, weichen sogenanntem Gallertkern. Durch wiederholte Fehlbelastungen (oder eben gar keine Belastung) entstehen langfristig Risse im Faserring und Teile des Gallertkerns treten aus und drücken auf die Nerven des Rückenmarks. Dabei können starke Schmerzen oder Gefühlsstörungen auftreten. Auch die Vorstufe, also die Bandscheibenvorwölbung, kann diese Probleme verursachen. An dieser Stelle möchte ich gerne das erste mal einhaken und betonen, dass wir alle wahrscheinlich irgendwo Auffälligkeiten an der Wirbelsäule haben, die vielleicht ein Leben lang nicht zum Tragen kommen, oder erst durch ein Bild im MRT für unser Gehirn interessant werden. Sehen wir auf einem Foto zum Beispiel, wie sich die Bandscheibe verhält, löst das automatisch erstmal einen gewissen Stress aus. Wir beschäftigen uns mehr mit dem Thema und machen uns Sorgen. Das verschlimmert in vielen Fällen auch die Rückenschmerzen.

Oft schieben wir eine derartige Verletzung auf unser Alter oder andere Gegebenheiten. In Wahrheit sind wir wahrscheinlich einfach nur faul, ernähren uns nicht vernünftig, trinken zu wenig oder machen uns zu viel negativen Stress. Wir sollten unseren Körper also belasten. Ich meine wirklich belasten. Schwere Dinge – mit korrekter Haltung – vom Boden anheben zum Beispiel. Wir sollten uns mit hochwertigen Lebensmitteln versorgen, ausreichend trinken und an unserem Stressmanagement arbeiten. Unser Körper hat nämlich eine ganz besondere Fähigkeit: Er hat sehr, sehr viele Selbstheilungsmechanismen. Wir müssen ihm nur die Chance geben, diese auch einzusetzen. Grundsätzlich ist unser Körper in der Lage, im Falle der Bandscheibe, Wundheilung zu betreiben und sich selbst zu heilen. Wenn also eine Bandscheiben-Problematik vorliegt, dann ist es wichtig, den Körper in einem gewissen Maße zu belasten und in keinem Fall ruhig zu stellen. Unterschiedliche Bewegungen, Verbesserung der Beweglichkeit und das Vermeiden von langen, stetigen und einseitigen Belastungen wie z.B. langem Sitzen oder die immer wieder gleiche Übung.

Was ist noch zu beachten?

Wenn wir keinen schweren Unfall oder Ähnliches hatten, resultieren die meisten modernen Problemchen aus einem nicht so coolen Lebensstil. Kaum Bewegung, Rauchen, schlechte oder nicht ausreichende Ernährung, wenig Wasser, innere und äußere Stressoren, wenig Tageslicht, kein guter Stress, ständig Medikamente, keine ausgeglichene Nährstoffbilanz. Es gibt noch ein paar weitere Punkte auf der Liste. Boah.

Bewegung

Bewegung ist essenziell für den menschlichen Körper. Wir sind darauf ausgelegt uns zu bewegen und nicht jahrelang in ein und derselben Sitzposition zu verharren. Wir sind auch darauf ausgelegt uns zu belasten. Dabei spreche ich aber nicht von einer gemütlichen „Jogging“-Runde, sondern von Kreuzheben, Kniebeugen, Klimmzüge oder, wenn es unbedingt Laufen sein muss, von ein paar intensiven Sprints auf der Laufbahn.

Rauchen

Rauchen hat insgesamt 0,0 positive Benefits. Warum nicht einfach aufhören?

Ernährung

Mit schlechter Ernährung sind unnatürliche Lebensmittel gemeint, die, bevor sie auf den Tellern landen, bereits durch Menschenhände oder Maschinen gegangen sind. Um sich ausgewogen und natürlich zu ernähren bedarf es eben auch hochwertiger und natürlicher Lebensmittel. Hackfleisch generell ist cool. Hackfleisch aus dem Discounter allerdings eher fragwürdig. Ausgewogen bedeutet aber auch, die notwendigen Kalorien zu essen. Manchmal isst man einfach schlicht zu viel oder über einen langen Zeitraum einfach zu wenig.

Wasser

Der menschliche Körper benötigt Wasser um sämtliche Prozesse anzuwerfen. Man muss ja nicht den ganzen Tag an der Flasche hängen, sondern vielleicht dreimal am Tag einen Liter trinken. So hat man gleichzeitig einen natürlichen Stressor abgedeckt: Durst. Es ist nämlich nicht bereits zu spät, wenn man Durst hat.

Innere & Äußere Stressoren

Einfach mal das eigene Stressmanagement überprüfen. Sind wir ehrlich zu uns, wenn es einfach zu viel wird? Wie reagieren wir auf Überforderung oder bestimmte Lebenslagen? Wichtig ist es, den Stress wahrzunehmen und Lösungen zu finden. Wenn man 30 Jahre mit einer Fleppe zur Arbeit geht, weil man unter starkem Leistungsdruck steht, gemobbt wird oder man sich durchweg überfordert fühlt, ohne das zu kommunizieren. Dann kann das nicht gesund sein. Also: Stress wahrnehmen, ehrlich zu sich selbst sein, kommunizieren, Lösungswege finden.

Hinzu kommt der sogenannte „Circle of Influence“. Macht es wirklich Sinn, sich über Dinge aufzuregen, die man nicht beeinflussen kann? Corona, Stau, schlechtgelaunte Menschen. Wir sollten uns eher auf Dinge konzentrieren, die wir beeinflussen können. Zum Beispiel unseren Lebensstil.

 

Tageslicht

Wenn wir den ganzen Tag im (Home-)Office sitzen und, speziell im Sommer, kein Tageslicht abbekommen produzieren wir voraussichtlich weniger Vitamin D, schlafen schlechter und fühlen uns nicht regeneriert.

Guter Stress

Kalt duschen und „hungern“ sind zwei gute Stressoren für unseren Körper. In der heutigen Welt können wir an jeder Ecke Nahrung abgrasen und müssen nicht, wie unsere Vorfahren, tagelang hungern und jagen, bis es wieder etwas auf die Teller gibt. Man könnte zum Beispiel ab und an auf eine Mahlzeit verzichten, sich nüchtern bewegen oder 24 Stunden einfach mal nichts essen, wenn die Nährstoffaufnahmen ansonsten insgesamt ausreichend ist, um dem Körper die Zeit zu geben, sich um andere Dinge, als die Verwertung von Nahrung zu konzentrieren. Die kalte Dusche oder das baden im eiskalten See findet immer mehr Anklang. Wenn wir nicht mehr frieren und immer die Heizung anstellen, wenn uns auch nur ein bisschen kalt ist, wird unsere Immunabwehr nicht mehr gefordert. Ist ja auch komfortabel. Kälte sorgt aber dafür, dass wir unsere Immunabwehr stärken, Endorphine ausschütten, besser regenerieren, Fett verbrennen und vor allem unsere mentale Power und Resilienz gegenüber Stress verbessern.

Fazit

Verbesserter Umgang mit dem Thema Schmerzen. Mehr unterschiedliche Bewegung. Mehr Belastung. Vermeidung von einseitigen Bewegungen. Optimierung unseres Lebensstils.