Aktuell haben hoffentlich so viele Personen wie möglich frisches Obst und Gemüse zu Hause. Also neben Nudeln und Klopapier. Wenn die Krise allerdings einigermaßen überstanden ist und alle wieder an ihre Arbeitsplätze dürfen, wird das Thema Gesundheit wohl nochmal einen neuen Stellenwert bekommen.

Es ist leider immer noch oft so, dass Unternehmen glauben, professionelles betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) wäre ein zur Verfügung gestellter Obstkorb oder eine bezuschusste Yogasession pro Monat. Dabei geht es im BGM und den daraus resultierenden Maßnahmen nicht darum, ein Büro zur ultimativen Fitnessfläche umzubauen. Viel mehr geht es zu allererst darum, zu verstehen, was eigentlich der Bedarf der eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist. Bitte nicht falsch verstehen: Ich bin glücklich, wenn ich in ein Unternehmen komme und es steht frisches Obst in der Kaffeeküche und die Mitarbeiter nehmen zum Beispiel an einer aktiven Pause teil.

Wir leben im Jahr 2020. Der Wunsch nach Vereinbarkeit von Beruf- und Privatleben sowie das Bewusstsein für einen gesunden Lebensstil steigen. Gleichzeitig wird in Zeiten des Fachkräftemangels der „War for talents“ für Unternehmen zunehmend spürbar. Neben ausreichend Entfaltungs- und Entwicklungsmöglichkeiten und einer leistungsgerechten Bezahlung werden – nicht nur für die Generation Y – zusätzliche „Benefits“ ausschlaggebende Faktoren bei der Entscheidung für oder gegen einen Arbeitsgeber.

Doch sind die Angebote vieler Unternehmen im Bereich Gesundheitsmanagement heute teilweise noch sehr schwach. Dabei ist mit vergleichsweise wenig Aufwand und Kosten schon einiges möglich, um sich positiv abzuheben.

Wo fängt BGM an?

Für mich als Berater und Partner für Unternehmen fängt erfolgreiches BGM damit an, das Ziel des jeweiligen Unternehmens zu verstehen. Weil es in manchen Branchen ein „Muss“ ist oder weil man sich wirklich damit beschäftigt und den Nutzen verstanden hat? Dafür ist es sinnvoll, sowohl bei den Entscheidern als auch den Mitarbeitern die für sie relevanten Themen in den Bereichen Gesundheit, Ernährung und Fitness abzufragen und daraus gemeinsam die ersten Ziele abzuleiten.  

Wie geht es dann weiter?

Im nächsten Schritt wird dann festgelegt, in welcher Form die Maßnahmen angeboten werden sollen. Ist die Belegschaft empfänglich für Seminare oder sollte der Fokus auf kürzeren, aber kontinuierlicheren Angeboten liegen? Es werden Prozesse besprochen, die ein nachhaltiges Konzept beinhalten. Ganz oft steht das Thema Ernährung zu Beginn eines Jahres im Mittelpunkt, da jeder weiß, welcher Vorsatz zu Neujahr meist an Platz eins steht. Viele möchten ein paar Kilos verlieren und sich langfristig gesünder ernähren. Also auf geht’s.

Und was dann?

Ein erfolgreiches BGM-Konzept macht in der Regel nur dann Sinn, wenn man es gleichzeitig langfristig und kontinuierlich umsetzt und regelmäßig neue Impulse setzt. Seien es Seminare, Workshops, Sportangebote oder Analysen. Daher sollte das Angebot ungefähr mindestens ein halbes Jahr im Voraus geplant werden. Auf Ernährung könnte zum Beispiel das Thema Bewegung oder Stressmanagement folgen. Beides lässt sich inhaltlich ideal miteinander verbinden.

Wenn das Konzept, die Maßnahmen und der grobe Zeitplan stehen, gilt es, die Mitarbeiter kontinuierlich zu informieren und motivieren. Ein Kommunikationsplan kann bereits während der Planungsphase aufgesetzt werden. Zum Schluss empfehle ich eine pragmatische Evaluation je Quartal, um die Qualität und Nachhaltigkeit der Maßnahmen zu überprüfen.

Fazit: Betriebliches Gesundheitsmanagement ist absolut sinnvoll, wenn es gezielt, kontrolliert und langfristig implementiert wird.